Mittwoch, 24. August 2022

Ochsenmoor / Friesland: Brocki, Frau Scherzinger, SĂŒher, Henk und Habedank ermitteln im Auftrag des NLWKN im Ochsenmoor

Uferschnepfe

Brocki, Frau Scherzinger, SĂŒher, Henk und Habedank heißen seit diesem FrĂŒhjahr nicht nur die beliebten Filmfiguren aus den bekannten Friesland-Krimis des ZDF, sondern auch Uferschnepfen vom DĂŒmmer und der Unterelbe. Die farbig beringten und mit Sendern ausgestattete Uferschnepfen „ermitteln“ fĂŒr den NLWKN. Durch die Mithilfe der gefiederten „Ermittler“ können die Mitarbeiter des NiedersĂ€chsischen Landesbetriebs fĂŒr Wasserwirtschaft, KĂŒsten- und Naturschutz (NLWKN) wichtige Rast- und Überwinterungsgebiete in ganz Europa und Westafrika herausfinden und mit den internationalen Partnern im Projekt zielgerichtete Schutzmaßnahmen fĂŒr bedrohte Wiesenvögel ergreifen.

Nur selten erhalten freilebende Wildtiere einen Namen. Im Rahmen der Vogelzugforschung im LIFE IP GrassBirdHabitats ist das anders. Um Zugwege, RĂŒckkehrraten und Überlebensstrategien der Uferschnepfe zu untersuchen, mĂŒssen Einzelvögel gefangen werden. Diese erhalten Farbringe zur individuellen Wiedererkennung im Feld und werden mit GPS-Sendern ausgestattet. Damit wird die Nachverfolgung der individuellen Zugwege möglich und ökologisch wichtige Rastgebiete können identifiziert werden. Und wenn ein Vogel vermessen, gewogen und individuell beringt und registriert ist – was liegt da nĂ€her als dem Vogel neben einem Code auch einen Namen zu geben? Da die Besenderung bereits 2018 im VorgĂ€ngerprojekt LIFE+ „Wiesenvögel“ gestartet wurde, konnten schon mehr als 120 Jung- und Altvögel mit Sendern ausgestattet werden. „Da fĂ€llt es uns nicht mehr ganz so leicht, neue und originelle Namen fĂŒr die Sendervögel zu finden“, erklĂ€rt Christopher Marlow, der im GrassBirdHabitats-Projekt fĂŒr die Satellitentelemetrie zustĂ€ndig ist. Nachdem Kollegen am DĂŒmmer und der Unterelbe viele der noch offenen Namen in Anlehnung an Familienmitglieder und Kollegen vergeben hatten, blieben noch einige namenlose Uferschnepfen. „Als Fan der Friesland-Krimis habe ich dann Uferschnepfen nach den Filmfiguren benannt.“, so Marlow. Die Uferschnepfe „Frau Scherzinger“ ist bisher am weitesten geflogen und hĂ€lt sich seit Mitte Juli in Guinea-Bissau auf. 

Bisher konnten wichtige Rastgebiete unter anderem in den Niederlanden, Westfrankreich, in der Camargue, an der MittelmeerkĂŒste Spaniens und in Portugal identifiziert werden. Das wichtigste Rastgebiet ist aber wohl die Region um den Nationalpark Doñana in SĂŒdspanien. Auf den WasserflĂ€chen rasten viele der Uferschnepfen vor ihrem fast 2.500 Kilometer langen Non-Stopp Flug ĂŒber die Sahara in ihre Überwinterungsgebiete in Westafrika. Schon Ende Juli erreicht ein Großteil der Uferschnepfen die Überwinterungsgebiete, unter anderem in Mauretanien, Senegal und Guinea-Bissau. 

Übrigens gab es 2022 bereits die MĂŒnsteraner Tatort-Ermittler unter den Uferschnepfen. Leider lebt nur noch der damalige Jungvogel „Haller“ von den dreien. DafĂŒr ist die Zugroute dieses Vogels umso spannender: Nachdem „Haller“ den DĂŒmmer Richtung SĂŒden verlassen hatte, traf sie auf die Alpen und drehte in östlicher Richtung nach Ungarn ab. Nach einem lĂ€ngeren Aufenthalt dort flog sie weiter nach Griechenland. Diese Route ist fĂŒr die Population in Deutschland völlig untypisch und wird eher von der kontinentalen Population etwa ab Polen und weiter östlich brĂŒtenden Uferschnepfen genutzt. Mit Spannung werden die weiteren Ortungen erwartet, um zu sehen, welche Route „Haller“ nach Afrika wĂ€hlt und wo ihr Herbstzug dort endet.

 Hintergrundinformation zum LIFE IP Projekt „GrassBirdHabitats“
Der Schutz von Wiesenvögeln wie Uferschnepfe, Kiebitz und Brachvogel und deren LebensrĂ€umen stehen im Fokus des von der EuropĂ€ischen Union im Rahmen des LIFE-Programms geförderten Projekts. Ziel ist es, optimale Brutgebiete zu schaffen und zu verbinden. HierfĂŒr gilt es, die FlĂ€chennutzung zu extensivieren und die WasserstĂ€nde zu optimieren. Um die AktivitĂ€ten kĂŒnftig stĂ€rker zu vernetzen und Maßnahmen fĂŒr erfolgreichen Wiesenvogelschutz abzustimmen, wird ein strategisches Schutzkonzept fĂŒr WiesenvogellebensrĂ€ume in Westeuropa entwickelt. In 27 Projektgebieten in Niedersachsen werden wiesenvogelfreundliche Maßnahmen umgesetzt.  

Das Gesamtbudget des ĂŒber zehn Jahre laufenden Projekts betrĂ€gt rund 27 Millionen Euro, darin 15 Millionen Anteil des Landes Niedersachsen und der Projektpartner. Die EU hat zwölf Millionen Euro bereitgestellt. Das NiedersĂ€chsische Umweltministerium als ProjekttrĂ€ger hat die Staatliche Vogelschutzwarte im NiedersĂ€chsischen Landesbetrieb fĂŒr Wasserwirtschaft, KĂŒsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Umsetzung des Projekts beauftragt. Partner in Niedersachsen sind die Nationalparkverwaltung NiedersĂ€chsisches Wattenmeer und das BĂŒro BioConsultOS. Projektpartner in den Niederlanden sind die Provinz Friesland, die UniversitĂ€t Groningen sowie die landwirtschaftliche Kooperative Collectief SĂșdwestkust (SWK) und der Naturschutzverband BondFrieseVogelWachten (BFVW).

Seit 2018 werden Uferschnepfen am DĂŒmmer mit Satellitensendern ausgestattet, 2020 kamen Gebiete an der Unterelbe hinzu. Mit den Besenderungen wurde im LIFE+ Projekt „Wiesenvögel“ gestartet, seit 2021 erfolgt dies im Rahmen des LIFE IP Projektes „GrassBirdHabitats“. Von 2018 bis 2022 wurden insgesamt 123 Uferschnepfen mit Satellitensendern ausgestattet. Die Zugrouten lassen sich ĂŒber https://www.globalflywaynetwork.org/ nachverfolgen. Quelle: NiedersĂ€chsischer Landesbetrieb fĂŒr Wasserwirtschaft, KĂŒsten- und Naturschutz (NLWKN)


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