Freitag, 26. November 2010

Lohne: Fachtagung der Malteser

plakat-fachtagung-vechta-01Verständnis für einander entwickeln

Nicht nur das Eltern beim „Plötzlichen Säuglingstod“ den riesigen Verlust eines unbeschreibbar geliebten Menschen ertragen müssen, nein auch häufig müssen sie sich zusätzlich einer Stigmatisierung hilflos ausgeliefert sehen.

Das Malteser Kriseninterventionsteam des Landkreis Vechta (KIT) mit dem Leiter Johannes Meyer hatten zu diesem Thema am Samstag im Ludgeruswerk Lohne, eine Fachtagung zum Thema „Plötzlicher Säuglingstod“ auf die Beine gestellt. Alle Fachdienste und Berufsgruppen die mit dieser Situation konfrontiert werden, waren zu dieser Fortbildungsveranstaltung eingeladen. Ăśber 200 Anmeldungen waren eingegangen von denen aber nur 140 wegen der Größe der Räumlichkeit eine BerĂĽcksichtigung finden konnten.
Beleuchtet wurde das Thema „Plötzlicher Säuglingstod“ aus verschiedenen Betrachtungswinkeln mit Beiträgen aus Rechtsmedizin, Kinderheilkunde, Elternselbsthilfe, Polizeiarbeit und Seelsorge. Das Programm wurde mit Infomarkt, Büchertisch, Getränken, Verpflegung sowie einer Kinderbetreuung und Musikdarbietung abgerundet.

Zunächst hatte Dr. Olaf Hagemann Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Landkreises Vechta ein Einsatzszenario nach der Meldung „lebloser Säugling“ durch die Lohner Malteser nachstellen lassen und war dann auf die medizinische Betrachtung dieses Themas eingegangen. Das die Polizei bei der Meldung „unklare Todesursache“ nicht zum Einsatz kommt um Eltern in ihrer Notlage auch noch zu behelligen sondern eine Hilfe auch für die Eltern in der Findung der Ursachen des Todes ihres Kindes sein kann stellte Josef Schade von der Polizeiinspektion Cloppenburg dar. Aus rechtlichen Gründen muss die Polizei alle Fälle von unklaren Todesursachen untersuchen und kann dabei auch nicht nach Alter von einer solchen Untersuchung absehen. Häufig kann dieses den Eltern auch später bei der Trauerarbeit helfen.

AnschlieĂźen wurde das Thema von dem Theologen Stefan Trillmich und einer ev. Pastorin und Notfallseelsorgerin aus Oldenburg beleuchtet.

Nach der Mittagspause beschrieb die betroffene Mutter Heike – Petra Lippert heute 1. Vorsitzende der Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod Nord in ihrem Referat „Plötzlicher Kindstod (SID) und was kommt dann?“ ihre GefĂĽhle und das Erlebte beim plötzlichen Säuglingstod ihres Sohnes Sebastian.

Der Rechtsmediziner Professor Dr. K. S. Saternus zeigte anschließend Möglichkeiten auf, die Ursache oder Faktoren für den Plötzlichen Säuglingstod sein können. Als eine der Hauptursachen beschrieb er die Lage des Kopfes des Kindes. Wenn die Halswirbelsäule des Babys in Bauch-  oder Rückenlage entsprechend außenrotiert ist, verstärkt dieses durch Flußminderung in den Halsgefäßen das Risiko um ein Vielfaches. Er riet in diesen Fällen, den Säugling in leichte Seitenlage zu bringen um so ein Abkippen des Kopfes zu verhindern. Von den neumodischen Tragehilfen die dieses Abknicken fördern, riet er ab. Aber auch wenn Eltern alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten haben, kann ein „Plötzlicher Säuglingstod“ nicht in Gänze ausgeschlossen werden. Es bedarf dann auch einer rechtsmedizinischen Untersuchung um so den Eltern zu zeigen, dass sie nicht Schuld am Tod ihres Kindes sind und das Risiko einer Stigmatisierung so vermindert werden kann.

Die Moderation des Tages hatte spontan Oliver Peters (Leiter Rettungsdienst Landkreis Vechta) übernommen, der für den erkrankten Dipl. Theol. Reiner Fleischmann Diakon, Fachbereichsleiter KIT-NFS der Malteser auf Bundesebene, Diözesanreferent PSNV Malteser Regensburg, eingesprungen war. Herr Peters führte hervorragend durch das Programm und fand auch stets die richtigen Einleitungsworte auf das jeweilige Referat.

Alle Beteiligte zeigten sich am Ende der Veranstaltung überaus zufrieden mit dem Verlauf. Verschiedenste beteiligte Berufsgruppen vom Rettungsassistenten bis zum Bestatter  haben voneinander gelernt und werden sicherlich in zukünftigen Einsätzen, wie dem (Gott sei Dank) seltenen Einsatz „Plötzlicher Säuglingstod“, mehr Verständnis für die Arbeit der anderen Beteiligten haben.
Text / Bilder: Malteser


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